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In den Aufzeichnungen zur Entstehung von Himmel und Erde Japans ist Sake
von Anfang an einfach da. Der Sturmgott Susano-o-no-mikoto setzte achtfach
gebrauten Sake ein, um eine achtköpfige Schlange zu besiegen (wahrscheinlich
für jeden Kopf ein Fass). (Die Literatur, der wir das entnehmen entstammt
jedoch der späteren Nara-Zeit: das Kojiki Aufzeichnungen alter
Geschehnisse von 712 und das Nihongi Chroniken Japans von 720.)
Wann Sake historisch gesehen entstand, ist nur zu vermuten. Kam der Nassreisanbau
tatsächlich um 300 v. Chr. aus China nach Japan, so könnte Sake, der aus
Reis und Wasser gebraut wird, erst danach entstanden sein. Es ist jedoch
durchaus möglich, dass es bereits vorher in Japan vergorene alkoholische
Getränke aus Reis oder Getreide oder auch Trauben gegeben hat.
Der ganz frühe und rituelle Sake war kuchikami no sake (im Mund
gekauter Sake). Reis wurde gekaut und in einen Behälter ausgespuckt.
Dort ließ man ihn ein paar Tage vor sich hin brauen und dann hatte man
ein leicht alkoholisches vergorenes Getränk. (Die Kau-Speichel-Methode
ist auch in anderen Gegenden der Welt zur frühzeitlichen Produktion von
Alkohol bekannt.) Die Enzyme im Speichel wandelten die Stärke des Reises
in Zucker um. Hefen aus der Umgebung vergoren diesen Zucker dann zu Alkohol.
Die Konsistenz war eher ein Brei. Er wurde mit Stäbchen aus der Schale
gegessen oder mit Wasser verdünnt und mit einer Art Strohhalm getrunken.
Der Koji-Schimmel, der später in der Sake-Produktion für die Umwandlung
der Reisstärke in Zucker eingesetzt wurde und wird, muss irgendwann entdeckt
worden sein. Harima Fudoki, ein Historiker der Nara-Zeit berichtet, dass
jemand gekochten Reis stehen gelassen hatte, so dass sich Schimmel gebildet
hatte (Aspergillus Oryzae).
Der Schimmel war für die Menschen ein Zeichen, dass die Götter am Reis
partizipiert hatten. Wenn dieser Reis noch länger stehengelassen wurde,
hatten Hefen aus der Umgebung ihn vergoren. Durch eine Reihe von Zufällen
und Experimenten fand man heraus, dass der Koji-Schimmel ein Schlüsselelement
zur Herstellung von Sake ist.
Mehr zum Brauprozess: Sake-Herstellung
Fortgeschrittene Brautechniken für Sake wurden aus China und Korea nach
Japan importiert. Im Kojiki wird erwähnt, dass im 3. Jahrhundert
n. Chr. der chinesische Braumeister Susukori an den japanischen Kaiserhof
kam und dem Kaiser köstlichen Sake zu trinken gab.
In der Nara- und Heian-Zeit wurde Sake am kaiserlichen Hof ausgiebig
genossen. 689 wurde ein kaiserliches Sake-Brau-Departement gegründet.
Es wurden spezielle Sorten von Sake kreiert. Zum Beispiel gab es weißen
Sake (shiroki) und schwarzen Sake (kuroki). Aus dem Engi
Shiki von 905, in dem Verhaltenskodices des Hofes dokumentiert sind
wissen wir, dass dieser Sake mit chinesischen Techniken gefiltert wurde
(ähnlich den heutigen). Shiroki und kuroki waren also bereits
klarer Sake, der keine oder nur wenige Reisreste enthielt.
Am Hof von Heian hat man sich phantasievoll und feinsinnig mit Sake betrunken.
Bei vielen aus China übernommenen und angepassten Festivitäten wie zum
Beispiel Mondbetrachtungen, Kirschblütenfesten oder Leuchtkäferfangen
war Sake beteiligt. Das Trinken wurde oft in Spiele eingebunden, man musste
zum Beispiel Poeme dichten und durfte zur Belohnung oder musste zur Bestrafung
eine Schale Sake trinken.
Sake war ein Gemeinschaftserlebnis, bei dem der Ranghöchste zuerst trank
und die Schale dann herumgereicht wurde. Es muss so weit gegangen sein,
dass zeitweise der Sake-Genuss reglementiert wurde. Im Genji monogatari
(Geschichte vom Prinzen Genji) von Murasaki Shikibu und dem Makura
no Soshi (Kopfkissenbuch) der Hofdame Sei Shonagon, beide von ca.
1000, wird aus dem Hofleben berichtet, nicht ohne Beschwerden über das
Benehmen der Betrunkenen.
Während der Kamakura-Periode wurde das Sake- Herstellungsmonopol
des Hofes gelockert. Außen stehende neue Brauereien konnten Braugenehmigungen
erhalten. Schreine und Tempel wurden immer stärkere Kräfte auf dem Sake-Markt.
Ihre großen Ländereien mit Reisfeldern und ihre gut organisierten Mönche
waren eine ideale Basis für die Sake-Herstellung.
Die zunehmende Anzahl und Konkurrenz unter den Sake-Brauern förderte
technischen Fortschritt und Qualität. Ein Tempel in Nara begann, mit einer
Startermaische zu arbeiten. Ein Schrein in Kyoto fand Methoden zur Trocknung
und Konservierung von Koji-Sporen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
begann ein Tempel damit, den Reis zu polieren und somit reineren Sake
herzustellen. Etwas früher wurden schon Aufzeichnungen zum Haltbarmachen
von Sake durch Erhitzen gemacht, dem Hi-ire (Pasteurisierung vor
Pasteur). Auch die heutige Technik der Zusammensetzung der Hauptmaische
in drei Schritten wurde schon verwendet. Die Techniken verbreiteten sich
schnell und wurden übernommen.
In der Muromachi-Periode entwickelten Zen-Mönche die Teezeremonie.
Sake war oft Bestandteil des vorangehenden Mahls kaiseki. Die einfache,
erdverbundene Sake-Keramik, die hierfür getöpfert wurde bildet einen großen
Kontrast zum opulenten Sake-Geschirr aus chinesischem Porzellan und den
feinen japanischen Lack-Schalen, die gleichzeitig im Umlauf waren.
Mit der Machtübergabe an den Shogun und dem Wechsel der Hauptstadt von
Kyoto nach Edo (Tokio) in der Edo-Periode mussten die großen Brauereien
aus dem Kansai-Gebiet (Osaka, Kyoto) sich etwas einfallen lassen, um ihren
Sake nach Edo zu transportieren.
Die Sake-Braukunst in Edo war lange nicht soweit entwickelt wie in der
Gegend um den Kaiserhof in Kyoto. Und das Shogunat und seine Samurai sowie
die wohlhabenden Bürger Edos wollten den verfeinerten, berühmten Sake
aus Nara und Fushimi (Stadteil von Kyoto) natürlich genauso genießen,
wie der Kaiserhof in Kyoto.
Die Brauereien schickten ihre Sake-Fässer mit Lasttieren die Tokkaido-Straße
hinauf, was mehrere Wochen dauerte. Dann kam man auf die Idee, Schiffe
zu verwenden, die eigentlich für den Reistransport gedacht waren. Sake-Händler
in Nada erfanden später spezielle Sake-Transportschiffe. In Edo enstanden
parallel dazu neue Hafendocks und große Lagerhäuser. Der Sake-Handel blühte.
Nada (im heutigen Kobe) wurde Sake-Marktführer: die dortigen Brauereien
hatten große Kapazitäten und in technischen Fortschritt investiert. Die
Fässer waren vergrößert worden, die Polierrate wurde erhöht, man hatte
das exzellente Wasser miyamizu (Schreinwasser). Zudem wurde in
Nada die Braumethode des kan-zukuri (im Winter machen) entwickelt.
Man braute Sake nur in den einhundert kältesten Tagen des Winters. Die
niedrigen Temperaturen beförderten die Feinheit des gebrauten Sake.
Die Öffnung Japans in der Meji-Zeit brachte weiteres Wachstum
der Sake-Brauerei-Landschaft. Braurecht konnte jeder erhalten, der es
bezahlen konnte. Die Zahl der Brauereien stieg immens an, zunächst zum
Nachteil der bisher mit Privilegien gesegneten großen Brauereien in Nada
und Fushimi. Durch hohe Steuern entwickelten sich jedoch die kleinen Brauereien
nicht so gut und die großen konnten wieder wachsen. Es kam zu einer Teilung
der Sake-Produzenten in große nationale Marken und kleine Brauereien,
die so genannten Jizake (lokalen Sake) produzierten.
Die technologische Verbesserung wurde weiter vorangetrieben, 1878 wurde
der erste Sake in Glasflaschen abgefüllt. 1904 wurde das nationale Forschungsinstitut
für Brauwesen gegründet, das sich der Sake-Wissenschaft und -Forschung
widmet. Weitere Institute im ganzen Land folgten. In Kooperation mit den
Brauereivereinigungen werden seit 1907 nationale Sake-Wettbewerbe veranstaltet.
Dies und neue technische Fortschritte führten zu weiterer Verbesserung
des japanischen Sake.
Im Zweiten Weltkrieg, der in die Showa-Periode fiel gab es (natürlich)
einen Einbruch. Der wenige Reis, der zur Verfügung stand, konnte nicht
für Sake verbraucht werden. In Mandschurien, das die Japaner besetzt hatten,
wurde Sake mit wenig Reis durch Zusatz von Alkohol, Zucker und anderen
Stoffen auf die drei- bis vierfache Menge gestreckt (Sanshozu). Es gelang
sogar, Sake völlig ohne Reis herzustellen.
Mehr: Futsushu
und Sanzoshu
In der Nachkriegszeit kamen die Sake-Brauereien wieder auf die Beine.
Durch Fortschritte in Mikrobiologie und Biochemie und auch der technischen
Hardware verfeinerte sich Sake zum einen, zum anderen wurde er ein Massenprodukt.
Denn auch die in der Kriegszeit entwickelten Techniken leben fort und
wurden eingesetzt, um billigen Sake zu produzieren. Zudem hatte Sake jetzt
harte Konkurrenz von Bier, Wein, Shochu und Whisky.
Der abnehmende Marktanteil und die Kritik am Sake mit Zusatzstoffen führten
dazu, dass seit 1975 Vorschriften erlassen wurden. Zusatzstoffe müssen
gekennzeichnet werden und Sake, der ohne Zusatzstoffe und mit sorgfältigem
Brauverfahren hergestellt wird, wird klar hervorgehoben und herausgestellt.
Die Qualität des japanischen Sake hat sich seitdem verfeinert wie nie.
Und auch die kleinen Brauereien sind mittlerweile durch ihre Leistungen
wieder in den Vordergrund gerückt. Gegen Ende der 1990er�Jahre gab es
einen regelrechten Jizake-Boom. Traditionell hergestellter Sake
der kleinen, regionalen Brauereien wurde immer beliebter und ist jetzt
auch überregional verbreitet.
Mehr zu Brauereien: Sake-Brauereien
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